Was wirklich bei den Aufnahmen zählt

Planen und vorbereiten

Regisseure arbeiten mit Shotlisten,  Storyboards und zudem eng mit dem Kameramann bei der Erstellung eines Masterplans zusammen. Eine entsprechende Vorbereitung und gute Planung von Filmprojekten ist auch bei kleinen Projekten der wichtigste. Sie können heute mit Smartphones gute Projekte realisieren, wenn aber das Konzept nicht steht und man nur „drauf los“ filmt, bleibt das Ergebnis ein Zufallsprodukt. Solche Produkte können auch mal funktionieren, die Regel ist es jedoch nicht und vor allem Neulinge in der Filmbranche widmen sich viel zu sehr den Dingen, die sie noch gerne hätten, Technik-Testberichten und Tipps auf YouTube. Diese Zeit in eine gute Planung zu stecken, das ist der erste Schritt und ein der Tipps, die sofort wirken.

Filmtechnik | Ton und Beleuchtung

Wie bereits erwähnt, Technik nimmt oftmals einen zu großen Raum ein. Jede nicht aufgebaute Stativ, sogar jedes Kabel erleichtert nicht nur, es schafft vor allem künstlerischen Freiraum. Wenn auch die Backstage Bilder von professionellen Produktionen beeindruckend sind, die Belastung ist extrem hoch und glauben Sie mir, mit einem Kameramann in Hollywood möchten Sie niemals tauschen. Es ist kein Zufall, dass verglichen an den Filmprojekten, es nur wenige und vor allem oftmals ältere Cinematographer sind, die dem Druck einer Quentin Tarantino Produktion mit einem 3stelligen Filmteam standhalten

Reduzieren Sie immer auf das tatsächlich notwendige, wo immer es geht.

Laden Sie sich ein Sonnenverfolgungs-App und planen sie Uhrzeit und Standort des Sets, der Kamera.  Es gibt viele Film-Beleuchtungstechniken , um zu gestalten, und nicht immer müssen es eine ARRI 5KW Fresnel Linse sein.  Lieber mit einer oder zwei starken Lichtquellen und Reflektoren arbeiten. Verzetteln Sie sich nicht mit zu vielen Lichtquellen. Natürlich wollen alle Leuchten mit einem CRI Wert von 100, aber ganz ehrlich, 97 spart Ihnen unglaublich viel Geld, dass vielleicht an anderer Stelle gut eingesetzt werden kann. Daher ist es o.k. eine GVM LED Leuchte zu verwenden. Wie sie eingesetzt wird, ist wichtiger.

Halten Sie sich für die Postproduktion so viel wie möglich offen. Wenn möglich, dann filmen sie in RAW. Das geht schon mit einer Canon in Kombination mit Green Lantern, oder mit einer Blackmagic Design 4K für etwas über 1T Euro. Ich kenne Postproduktionen, die alleine für das Grading 5x mehr Zeit benötigen, als für die Aufnahmen. Wenn Ihnen das Budget dies erlaubt, trennen Sie sich von der Idee, einer Fotokamera (Sony A7, Panasonic GH usw.) Videos im Cinema-Filmlook zu erstellen und filmen Sie mit einer Technik, die Ihnen in der Postproduktion Zeit und Ärger erspart. Es soll nicht heißen, dass man gute Videos so erstellen kann, nur … dass man neben den besseren Ergebnissen sich vor allem „Frieden“ erkauft.

Objektivauswahl und Kamera-Standort

Objektive können völlig unterschiedliche Bilder erzeugen. Sie sollten vom Weitwinkel bis zum Tele die Brennweiten zu Verfügung haben, die sie für das Projekt benötigen. Filmen Sie die gleiche Szene für einen Test mit verschiedenen Brennweiten und erlernen Sie so den Umgang. Man kann viel lesen, besser ist es jedoch, sie probieren die verschiedenen Brennweiten aus und finden vielleicht auf diese Art und Weise auch einen eigenen Stil. Das Thema ist zu komplex und soll hier nicht weiter ausgeführt werden. Ob rasante Fahrt mit einem Weitwinkel oder Emotion mit einem Teleobjektiv, beginnen Sie damit Erfahrungen zu sammeln.

Die Entscheidung über die Wahl der Brennweite hängt zusammen mit der Platzierung der Kamera. Der Standort zeigt nicht nur Nähe oder Distanz. Bedenken Sie das Verhalten der Protagonisten vor der Kamera. Vor allem, wenn Sie nicht mit professionellen Schauspielern arbeiten. Wie auch bei den Kamerabewegungen, erzeugt beispielsweise alleine die Höhe der Kamera extrem unterschiedliche Emotionen. Seien Sie nicht zu statisch. ACHTUNG: Ein Kamerastativ ist natürlich Pflicht, aber reduzieren sie den Einsatz, wenn möglich. Eine bewege Kamera erzeug eine subjektive Perspektive. Wenn es zu statisch wird, erzeugen Sie ein objektiveres POV und das wirkt in der heutigen Zeit etwas „old school“.

Tonaufzeichnung

Was für das Bildmaterial gilt, trifft auch auf den Ton zu. Ich erwähne ihn hier, da dieser Punkt bei den Aufnahmen in sehr vielen Fällen unterschätzt wird. Halten Sie auch hier alle Wege offen. Mit einer Tonspur und einem nicht dafür geeigneten Mikrofon, können nicht die Tonspuren vorliegen, die sie für eine professionelle Postproduktion benötigen. Wie auch der Einsatz von Filmmusik, wird die Aufnahme des Tons leider fast immer unterschätzt. Das zeigt sich sogar bei vielen TV-Produktionen. Da diese aber manchmal einen höheren dokumentarischen Wert haben, mag es vielleicht dort verziehen sein. Bei einem Filmprojekt jedoch ist das nicht möglich.

Sie benötigen ein Aufnahmegerät für mehrere Spuren und sollten den Umgang mit den verschiedenen Mikrofonen (Acht, Niere, Keule, Superniere usw.) erlernen. Weiterhin empfiehlt sich in der Postproduktion die Kompression und der Einsatz von VST-Plugins. Dies ist die günstigste Variante und funktioniert auch. In DaVinci Resolve (Fairlight) können Sie beispielsweise VST3 Plugins einbinden. Viele „normaliesieren“ und vergessen, dass 0db nicht immer erstrebenswert sind. Viel zu früh werden Pegel erhöht und am Ende ist dann alles am Anschlag. Eine gute Tonproduktion ist sehr wichtig. Berücksichtigen Sie hierbei auch die Kontrolle über die verschiedenen Wiedergabegeräte (große Lautsprecher, PC/Tablett, Smartphone, Kopfhörer usw.)

Zusammengefasst

Planen und richtig vorbereiten. Nur die benötigte Technik zusammenstellen und das Set einfach halten. Standort, Kameraposition und Objektivauswahl sollten bewusst geplant sein und nicht zufällig ausgewählt werden.  Zeichnen Sie in RAW auf und halten Sie sich alle Wege für eine stressfreie Postproduktion offen. So können Sie sich mehr auf das Wesentliche bei den Aufnahmen konzentrieren. Unterschätzen Sie niemals die Aufnzeichnung des Tons und halten Sie neben einem externen Aufnahmegerät auch verschiedene Mikrofone bereit.

Die 5 wichtigsten Profi Tipps

  1. Die Aufnahmen planen und vorbereiten
  2. Erforderliche Technik auf das Notwendige reduziert.
  3. Standort, Kameraposition und Objektivauswahl bewusst und nicht zufällig wählen.
  4. RAW Aufzeichnung für gute Postproduktion. Codes bei der Aufnahme vermeiden.
  5. TON Aufzeichnung mit externen Aufnahmegeräten und verschiedenen Mikrofonen.

Die 5 größten Fehler beim filmen

  1. Keine echte Planung des Ablaufs und des finalen Produkts.
  2. Zu statisch. Zu viele Aufnahmen mit Stativ und zu viele Kameraschwenks.
  3. Kein wirklich starkes Licht. Zu wenig Lichtformer oder zu viele kleine Lichtquellen.
  4. Kein guter Weißabgleich und Aufzeichnungen in MP4 oder anderen Videocodecs.
  5. Keine externe Tonaufzeichnung und keine externen Mikrofone.